Künstler in der Galerie Baer

Sebastian Hempel

1971 geboren in Dresden
1987-1990 Lehre als Steinbildhauer
1993-1998 Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
1998-2000 Meisterschüler bei Prof. Ursula Sax an der HfBK und an der Slade School of Fine Art London

1998 Dorintpreis Stipendium der Deutschen Studienstiftung
1999 Auslandsstipendium London
2000 Robert-Sterl-Preis
2001 Künstlerstipendium Willinghausen 1. Preis beim Wettbewerb um Kunst-am-Bau-Projekt des Max Planck Institutes
2005 Kunst-am-Bau-Projekt an der TU Dresden
2006 1. DREWAG-Preis für Gegenwartskunst
2007 1. Preis Gestaltungswettbewerb, Bahnunterführung Deutsche Bahn
2008 1. Preis Wettbewerb Kunst-am-Bau, Hochschule Mittweida (FH) (Realisierung)
20091. Preis Wettbewerb Kunst am Bau, Vitzthum Gymnasium, Dresden (Realisierung)


Einzelausstellungen (Auswahl):
2009
»PLAYBOY«, Galerie von Bartha, Basel, Schweiz; »Überm Sofa«, galerie baer, Dresden
2008 »2 aus...Dresden« (mit Stefan Lenke), Kunstverein Kassel
2007 »Local Movement« galerie baer, Dresden
2006 »Beziehungskiste«, öffentlicher Raum, Stadtzentrum Dresden; »Strom« Städtische Galerie, Dresden
2005 »Transmission« Städtische Galerie Usti nad Labem, Tschechien
2004 »Optokoppler« galerie baer, Dresden
2002 Kunstsammlungen Gera
2001 Künstlerstipendum Willinghausen (K)
2000 »The business of art«, ATP-gallery, London, Großbritannien; »Zwielicht«, Robert-Sterl-Haus, Naundorf


Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):
2008
»Heppo Steppuhn und Geisselolt Blodig« Neuer Sächsischer Kunstverein, Dresden; »Die Zahl, der Zufall, das Spiel« Kunstverein Rügen; »Good Vibrations« Altana-Galerie, Dresden; »Dimensionen«, Galerie von Bartha, Basel, Schweiz; »ad absurdum«, Städtische Galerie Nordhorn
2007»Perplex« Künstlerhaus Dortmund; »New Generation«, Galerie von Bartha, Basel, Schweiz; »Die Elektrifizierung der Gehirne« Motorenhalle, Dresden;
2006»Rotorelief«, Stadt der Wissenschaften im Dresdner Schloß, »Bewegung«, Galerie Kasten, Mannheim; »Ballkünstler« Museum für Bildende Künste, Leipzig (K); »Baumgruppe«, Kunstprojekt Landesgartenschau Oschatz
2005 »profile« galerie baer, Dresden; »Lüster«, Städtische Galerie Dresden; »Streiflichter« Ankäufe des Kunstfonds Sachsen Städtisches Museum Zwickau,
2004 »Eiland in Wien« institute francais, Wien, Österreich; »potentiale«, Projektgalerie des BBK, Leipzig
2003 »profiler«, galerie baer, Dresden; »Hivernale«, Palais im Großen Garten, Dresden
2002 »Split Points«, Nationalgalerie Prag, Tschechien (K)
2001 »success«, Kunsthaus Dresden (K)

Mit seinem Blick auf Bewegungszustände, ästhetisch wie formal, nimmt Sebastian Hempel direkten Einfluss auf die räumliche Wahrnehmung und sinnliche Erfahrung der Rezipienten. Rotierende Leuchtdioden und ein sich bewegendes und ständig veränderndes Wandbild sind bei »Profiler« zu erleben.


Sebastian Hempel

Obwohl sich seine Arbeit wesentlich mit Phänomenen des
Lichts, des Raumes und der Zeit, der Geschwindigkeit und
des Klangs, der Wahrnehmung und der Bewegung befasst,
liegt die Essenz von Hempels Schaffen besonders in manipulierenden
Untersuchungen, die aus dem »experimentellen
Spiel« mit diesen Elementen heraus entstehen. Neugier, die
Suche nach Lösungsansätzen, Verwunderung und spätere
Entdeckung sind von Anfang an in seine plastischen und
räumlichen Unternehmungen mit einbezogen. Unweigerlich
zielt der Aspekt des Spielens auf Vergnügen und Spaß, auf
die optischen Spiele des Künstlers ebenso wie auf seine
räumlichen Aktionen ab, wobei man gerade auf dieser zweiten
Ebene Elemente von Witz und Humor ?ndet. Ideen, die
ausgehen von menschlichen Sinneserfahrungen optischer
oder akustischer Natur, vermittelt durch bewegliche und
räumliche Impulse, sind ein allgegenwärtiger Bestandteil
seiner plastischen Arbeiten und Installationen. Die Tatsache
der langen Entwicklungsgeschichte der kinetischen Kunst im
Lauf des 20. Jahrhunderts, bestimmt von den beiden Faktoren
phänomenologische Wahrnehmung und/oder Dynamik
der Bewegung, sollte nicht davon ablenken, dass immer neue
revolutionäre optische Modelle nach wie vor fundamental für
die Weiterentwicklung unseres Sehemp?ndens sind. Visuelle
Stimulationen, optische Täuschungen und deren Zweck(e) beein?ussen zweifelsfrei nach wie vor unsere Erfahrung der
Welt. Dies zeigt sich sowohl für die Alltagserfahrung von
Spezialeffekten in Filmen (meist nichts weiter als illusionistische
Manipulation, die den Zuschauer in einen passiven
Zustand versetzt) als auch für das direkte, auf aktive Teilnahme
angelegte Vergnügen, das man mit Sebastian Hempels
kinetisch-plastischen Arbeiten haben kann. Sebastian
Hempel interessiert sich dafür, was ruht und in Bewegung
gesetzt werden kann, oder – anders betrachtet – welche
verschiedenen Formen der Bewegung notwendig sind, um
Gegenstände aus ihrem ruhenden Zustand heraus zu bewegen.
Im Gegensatz zum distanzierten optischen Prozess,
bei dem der Zuschauer lediglich einen Effekt beobachtet,
bewegt Hempels Arbeit die Betrachter körperlich und bezieht
sie in das Phänomen mit ein (sie stehen still, werden aber
trotzdem bewegt). Objekte existieren im Raum, aber ihre
Wahrnehmung besteht in der und durch die Zeit. Sebastian
Hempel setzt häu?g kleine versteckte Motoren in seine Arbeiten
ein (Motoren existieren im Raum, aber sie arbeiten in der
Zeit). Dies kann verschiedene Formen annehmen und führt
zu mitunter konzeptuellen Effekten. Statt jedoch Aspekte der
Beschleunigung und Motorisierung in Betracht zu ziehen,
geht es Hempel viel mehr um die Art und Weise, wie und wo
Motoren eingesetzt und angewandt werden können, um so
den von ihm gewünschten Effekt zu erzielen. Er ist demnach
weniger an der Frage des Geschwindigkeitsrausches interessiert
als an Überlegungen, wie unterschiedliche Geschwin-digkeiten unsere Wahrnehmung verändern und beein?ussen.
Wie Licht und Klang sowohl optische als auch körperliche
Desorientierung erzeugen können, das heißt das Entstehen
von Verwirrungen der Wahrnehmung, hat Hempel seit jeher
fasziniert. Aus diesem Grund wird das Element der Geräusche
oft in die Arbeiten eingebettet, um den erstrangigen
Status herauszufordern, der dem Visuellen im Betrachtungsprozess
für gewöhnlich zugemessen wird. Geräusche wirken
als Korrektiv für das, was man sieht, und erzeugen damit
einen realitätsnahen Eindruck entsprechend der natürlichen
Gleichzeitigkeit der Sinneseindrücke, aus denen sich unsere
Wahrnehmung der Welt formt. Auch zum Element der Farbe
gibt es immer wichtiger werdende Verbindungen, was nicht
überrascht, denn schon oft wurde festgestellt, dass Farben
nur im Licht existieren. Kein Licht bedeutet auch: keine Farbe,
während zu viel Licht alle Farben in weißer Leere verschwinden
lässt. Wohl deshalb zeigen Sebastian Hempels neuere
Arbeiten eine ausgesprochene Neigung zur Dominanz von
Licht und Farbe. Wie in Sebastian Hempels Arbeiten immer
wieder deutlich wird, beherrscht der Künstler die Anforderungen
des drei-dimensionalen Raumes und bringt diese mit
den Sinnesphänomenen von Licht, Zeit und Wahrnehmung
in Einklang. Das heißt, Wand, Boden und Decke sind in des
Künstlers Gedankenwelt vereinigt und die Fortschritte, die er
hinsichtlich der technischen Vervollkommnung gemacht hat,
sind eng mit einem gewachsenen Verständnis für Komplexität
von Installation und Präsentation verknüpft.

Mark Gisbourne